Rote Rübe - macht immer eine gute Figur - oder - eine kleine Hommage an meine Gastmutter
Bei Roter Beete muß ich immer an meine ukrainische Gastmutter denken, deren Gesichtsausdruck ich nie vergessen werde, als sie merkte wie gut mir ihr "Borschtsch" schmeckte … Und ich muß sagen, er war zum darin baden! :-)
Und an dieser Stelle kann ich mich gleich bei allen Ukrainern beliebt (:-)), und bei allen Russen unbeliebt machen: der Borschtsch ist ein ukrainisches Gericht, ein Eintopf, und von den Russen übernommen, allerdings kriegt man es "überall" als Nationalsgericht serviert.
Borschtsch ist das erste was mir zu Roter Rübe an Essen einfällt, gefolgt von "Labskaus". Es sind wohl die bekanntesten Gerichte aus der Knolle, was nicht heißen soll, daß sie nicht vielfältig als Salat, Suppe oder Beilage verwendet werden kann, was dieser Blog beweisen soll.
Wie schon die anderen hier vorgestellten Wurzeln besitzt auch die Rote Rübe viele Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine und ist ebenfalls kalorien- und fettarm und zudem mit der Zuckerrübe und dem Mangold verwandt.
Eines der vielen "E's" auf Lebensmittelverpackungen ist das E 162, für Betanin, ein Glycosid. Dies ist der Farbstoff, der aus Roter Beete gewonnen wird und gerne zur Einfärbung von Nudeln oder anderen Gerichten verwendet wird, allerdings ist die Rübe erst seit dem 19. Jahrhundert so dunkelrot, ein Ergebnis der Weiterveredelung seit sie aus dem Mittelmeerraum zu uns gelangte. Es finden sich gelegentlich noch weiße und cremefarbene Rüben, die aber trotzdem "Rote Rüben" sind.
Jetzt im November kann man seinen Abwehrkräften durch den Verzehr von Wurzelgemüse etwas gutes tun. Vor allem mit der Roten Beete rückt man Erkältungen mit Schnupfen, Husten und Halsweh zu Leibe, den die Rübe und ihr Saft unterstützten das Immunsystem und stärkt die Bildung von Schleimhautzellen. Aktuellen Studien zufolge soll der regelmäßige Verzehr von Wurzelgemüse auch für den Magen gut sein und das Risiko auf Magenkrebs senken. Wer allerdings Probleme mit der Niere hat und zur Bildung von Nierensteinen neigt, sollte Rote Beete, Zuckerrübe und Co meiden, sie besitzen einen hohen Anteil an Oxalsäure.
Im Mai kann man junge Rote Beete zusammen mit ihren Blättern kaufen, später im Jahr, zum Herbst und Winter hin bekommen wir fast ausschließlich die Knolle angeboten, dabei kann auch das Blattwerk der Pflanze gekocht genossen werden, und junge Knollen schmecken roh als Salat besonders gut.
Aber auch die späten Knollen können gut als Salat verzehrt werden, ich persönlich koche sie lieber, bevor ich sie mit Zitronen-, Limettensaft, Äpfeln, Walnüssen und Walnußöl als Salat auftische. Was sich meiner Meinung nach immer gut zu Roter Beete paßt, sind geröstete Sesamkörner, einfach über den Salat streuen, oder auch über das warme Gericht. (Manche mögen den Salat natürlich auch mit Essig und Kümmel zubereitet). Ein Tipp: wenn man Rote Beete gut geputzt und entblättert eine Stunde in Salzwasser kocht und dann erst den Strunk entfernt und schält, verliert man weder wertvollen Saft noch Aroma.
Diese runde Knolle schmeckt kalt sehr lecker süß-sauer eingelegt, zusammen mit Hering als Salat oder man trinkt einfach ihren Saft. Ein gern gesehener Begleiter ist sie auch als warme Gemüsebeilage, Suppe oder als Eintopf. Mit ihrem süßlich, manchmal leicht bitterem Geschmack paßt sie zu ausgezeichnet zu Rind, Lamm oder Fisch.
Abschließend die zwei "Essens-Klassiker" mit Roter Beete nochmal etwas ausführlicher:
Der "Klassiker Nr. 1" mit Roter Beete ist der in Norddeutschland, England und Skandinavien weit verbreitete "Labskaus". In allen Ländern sind Kartoffeln und Rote Beete der Grundbestandteil dieses Gerichts. Die Geister scheiden sich allerdings an den restlichen Zutaten dieses Essens und bevor ich hier im einzelnen aufliste, wo der Labskaus wie gegessen wird, und mich unter Umständen in Teufels Küche bringe benenne ich nur die zwei groben Richtungen. Die eine beinhaltet neben Kartoffel und Roter Beete auch noch Gewürzgurke (Sud für die Tunke verwenden) und Hering, bzw. Rollmops. "Garniert" wird gerne noch mit einem Spiegelei. Die zweite lehnt sich vielleicht noch eher an das ursprüngliche "Arme-Leute-Essen" auf See an, indem man zu den Kartoffeln und der Rübe (eventuell Gurke) auch noch Corned Beef hinzugibt. (Früher nahm man nämlich Pökelfleisch, weil das sehr lange ungekühlt haltbar war.)
Was mich vor allem freut, ist, daß der Labskaus mittlerweile in Stücken als als Brei serviert wird, weil ehrlich gesagt, finde ich die pürierte Form sehr gewöhnungsbedürftig und die einzelnen Geschmacksrichtungen der Zutaten bleiben dabei ebenfalls auf der Strecke. Fleischwolf war gestern … !
"Klassiker Nr. 2" ist der aus der Ukraine und Russland stammende "Borschtsch". Man spricht von einem "Borschtsch-Gürrtel", der sich von Polen über Galizien bis hin nach Russland erstreckt. (Dort ißt man den Borschtsch allerdings eher als Vorspeise oder Beilage als als eigenständiges Gericht.) Die Grundlage eines jeden Borschtsch sind (Rind-) Fleisch, Rote Beete und Weißkohl. Meistens kommen noch Zwiebeln, Karotten und Tomaten dazu. Diese Zutaten werden sehr lange Zeit mit geringer Hitze gegart. Vor dem Servieren wird, dem in Suppentellern angerichtete Borschtsch, ein Löffel Schmand oder Saure Sahne aufgesetzt, und frische Kräuter, wie Dill der Petersilie, darüber gestreut. Im allgemeinen werden diese Komponenten nachher "untergezogen". In Russland un der Ukraine wird mancherorts auch ein mit Knoblauch abgeschmeckter Schmand angeboten. Während man in der Ukraine oder in Russland den Borschtsch als Eintopf serviert bekommt in dem "der Löffel stehen muß", wird er in Polen als "Klare Brühe" mit Gemüseeinlage serviert. Überall werden kleine gefüllte Teigtaschen zu Borschtsch gereicht. Die Füllungen reichen von Kartoffeln, über Kraut, hin zu Pilzen oder Fleisch. (Ich hab es am liebsten mit Kraut gegessen!Mmmmhh …)
So, für mich war es ein Blog voller Erinnerung, für Euch ist es hoffentlich einer mit vielen Anregungen, was man aus der roten Knolle so alles zaubern kann. Viel Spaß und wenn es lecker wird, wißt ihr ja wo ihr es "präsentieren" könnt!
Im folgenden noch ein paar Links zu leckeren Rezepten.
Wer ein Borschtsch-Rezept anbieten kann, wie ihn meine Gastmutter gemacht hat, dem wird mein Dank auf immer nachschleichen!! :-)
Labskaus - folgt
Hamburger Labskaus - folgt
"Edellabskaus" mit Tafelspitz - folgt
Borschtsch-Variante 1
Borschtsch-Variante 2 - folgt
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Hilfreiche Unterstützung für die Rote Beete gab es von Wikipedia und dem Lebensmittellexikon.


